Beziehungen

Beziehungen in den familienanalogen Angeboten der LebensSpuren GmbH – warum sie der Schlüssel zu erfolgreicher Jugendhilfe sind.

Jede Form der familienähnlichen Betreuung sei es in Erziehungsstellen, sozialpädagogischen Lebensgemeinschaften, in familienanalogen Angeboten u.ä. wird durch Beziehungen getragen. Auch wenn Konzepte, Methoden und Strukturen der unterschiedlichen Angebote festlegen, wie die Erziehung gestaltet werden soll, hängt der Erfolg dieser Ergebnisse häufig davon ab, ob Kinder und Jugendliche den Beziehungen genug vertrauen können, um neue Entwicklungsschritte zu gehen. Wer Hilfe braucht – insbesondere junge Menschen, die Vernachlässigung, Gewalt oder zerrüttete Beziehungen sowie andere traumatische Umstände erlebt haben – benötigt verlässliche positive Bezugspersonen, die stabile Sicherheit und eine richtungsgebende Hand bieten. Genau hier setzt die LebensSpuren GmbH – die individuelle Kinder-, Jugend- und Familienhilfe mit ihren familienanalogen Angeboten (FA) nach den §§ 34 bzw. 33.2 SGB VIII an. Der Bindungstheorie Bowlbys zufolge, haben wir bereits ab dem Moment der Geburt ein angeborenes Maß an Abhängigkeit von einer oder zwei zentralen Bezugspersonen entwickelt, die uns schützen und Sicherheit geben. Wenn diese Bindung von Anfang an unterbrochen oder unzuverlässig ist, kann schon diese einfache Abhängigkeit ihre gesamte weitere Entwicklung beeinflussen (Bowlby, 2008). Eine dieser besonderen Bedingungen werden durch familienähnliche Hilfen geschaffen. Durch die familienähnlichen Wohnbedingungen – bei denen die jungen Menschen direkt in dem Lebensumfeld einer pädagogischen Fachkraft leben und Zugang zu deren Alltag haben, können sich Beziehungen entwickeln, ohne dass Bezugspersonen aufgrund von Schichtarbeit wechseln müssen. So wird eine alltags- und erziehungsbezogene Unterstützung nachhaltig „aus einer Hand“ gestaltet.

Warum sind Beziehungen in den familienanalogen Angeboten der LebensSpuren GmbH so bedeutsam?

Kinder und Jugendliche wachsen in Beziehungen auf. Sie entdecken darüber ihre Stärke, lernen Vertrauen und bewältigen Konflikte. Doch viele junge Menschen, die in den stationären Angeboten bei der LebensSpuren GmbH aufgenommen werden, bringen einige unterschiedliche belastende Lebenserfahrungen mit – Störungen des Sozialverhaltens, psychische Erkrankungen und/oder herausfordernde Bindungsmuster gehören zu den komplexen Bedarfslagen, der jungen Menschen. Manche der jungen Menschen sind seelisch behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht. Die vielfältigen Bedarfe dieser jungen Menschen können weder in den Herkunftsfamilien zu Hause noch in Organisationen der Kinder- und Jugendhilfe angemessen erfüllt werden.

Eine stabile Beziehung, wie sie durch die familienanalogen Angebote der LebensSpuren GmbH vorgehalten wird, ermöglicht den jungen Menschen:

  • Vertrauen schrittweise neu aufzubauen,
  • emotionale Sicherheit zu erleben,
  • eigene Gefühle besser einzuordnen,
  • Verantwortung zu übernehmen und
  • Selbstvertrauen zu entwickeln.

Dabei entsteht Vertrauen nicht durch einzelne pädagogische Maßnahmen, sondern durch die Erfahrung, dass Bezugspersonen auch in schwierigen Situationen zuverlässig, berechenbar und wertschätzend handeln. Eine Forschung zur Pflegekinderhilfe zeigt, dass eine sichere, stabile Beziehung zu Bezugspersonen einer der wirksamsten Schutzfaktoren für die Erholung von Kindern mit belastenden Vorerfahrungen ist (Nowacki & Remiorz, 2022). Auch die Forschung zu traumatisierten Pflege- und Erziehungsstellenkindern belegt, dass tragfähige neue Bindungsbeziehungen selbst nach frühen negativen Erfahrungen deutliche Entwicklungschancen eröffnen können (Nienstedt & Westermann, 2007). Dies deckt sich mit der eigenen fachlichen Überzeugung der LebensSpuren GmbH, wonach jedes Verhalten – gemäß traumapädagogischem, personenzentriertem und systemischem Verständnis laut Rahmenkonzeption der LebensSpuren GmbH – einen „guten Grund“ hat und Entwicklung erst im geschützten, verlässlichen Rahmen gelingen kann.

Beziehung als professioneller pädagogischer Auftrag

In den familienanalogen Angeboten der LebensSpuren GmbH ist die Beziehungsarbeit mit den jungen Menschen kein Zufallsprodukt, sondern eine fachliche Kernaufgabe. Die verantwortliche sozialpädagogische Fachkraft (bzw. das Team der Fachkräfte) gestaltet den Alltag bewusst so, dass Sicherheit, Orientierung und Verlässlichkeit für den jungen Menschen erlebbar werden – rund um die Uhr, mit einer konstanten Bezugsperson und in enger fachlicher Begleitung durch die zuständige leitende Koordination bzw. Co-Koordination am jeweiligen Standort. 

Laut Handbuch „Foster Child Assistance“ des Deutschen Jugendinstituts (Kindler, Hel-ming, Meysen & Jurczyk, 2011) bilden Mitgestaltung und Verlässlichkeit im Alltag die professionelle Grundlage für stabile Beziehungen, die sich nur unter familienähnlichen Bedingungen entwickeln können.

Dazu gehören beispielsweise:

  • feste tägliche und wöchentliche Strukturen,
  • transparente Regeln,
  • verbindliche Vereinbarungen,
  • eine wertschätzende Kommunikation und
  • eine altersgerechte Beteiligung der jungen Menschen (Partizipation).

Professionelle Beziehungsarbeit bedeutet gleichzeitig, die individuellen Bedürfnisse jedes Kindes personzentriert und systemisch wahrzunehmen, ohne dabei Defizite zu bewerten, und pädagogische Entscheidungen nachvollziehbar zu begründen. Gerade in Krisensituationen zeigt sich, wie tragfähig eine Beziehung geworden ist – hierfür hält die LebensSpuren GmbH eigene Kriseninterventionsmaßnahmen sowie eine 24-Stunden-Erreichbarkeit im Krisenmanagement vor.

Abwägen von Nähe und professioneller Distanz

Die familienanalogen Angebote der LebensSpuren GmbH sind als Zusammenleben „wie in einer Familie“ definiert. Gleichzeitig bleibt dieses Betreuungsangebot Teil einer professionellen Hilfe zur Erziehung nach §§ 34 bzw. 33.2 SGB VIII. Die Betreuungsangebote gemäß § 34 SGB VIII haben auf Grundlage des § 45 SGB VIII eine Betriebserlaubnis und unterliegen der laufenden Aufsicht durch die Heimaufsichtsbehörde des zuständigen Landesjugendamtes. Diese besondere Konstellation verlangt eine kontinuierliche Reflexion der eigenen Rolle der Fachkräfte in den familienanalogen Angeboten – unterstützt durch die engmaschige fachliche Begleitung durch das Fachteam der LebensSpuren GmbH. Zusätzlich wird die Reflexion des eigenen Handelns der Fachkräfte vor Ort durch eine externe Supervision ergänzt, die aus den verfügbaren Budgets der LebensSpuren GmbH finanziert wird.

Die notwendige professionelle Nähe von pädagogischen Fachkräften zu den jungen Menschen bedeutet aber nicht, immer verfügbar zu sein. Vielmehr geht es darum,

  • emotionale Sicherheit zu geben,
  • klar abgegrenzte Grenzen aufrechtzuerhalten,
  • Verantwortung transparent sicherzustellen und
  • die jungen Menschen zur Selbstständigkeit befähigen.

Dieses Spannungsfeld zwischen persönlicher Zuwendung und der detaillierten Klärung der professionellen Rolle wird in der Fachliteratur ausführlich diskutiert: Eine klare Definition und Abgrenzung der pädagogischen von der persönlichen Beziehung gilt als zentrale Voraussetzung gelingender Beziehungsgestaltung (Gahleitner, 2017); zugleich wird betont, dass Nähe und Distanz kein Gegensatz, sondern ein fortlaufend zu reflektierendes Wechselverhältnis sind (Andresen & Grießmeier, 2016). Schleiffer weist darauf hin, dass gerade in der Heim- und Erziehungsstellenerziehung ein bindungstheoretisch fundiertes Verständnis von Nähe nötig ist, um Kindern trotz institutioneller Rahmenbedingungen verlässliche Beziehungserfahrungen zu ermöglichen (Schleiffer, 2007). Mit Hilfe von regelmäßiger Fachberatung, im Rhythmus von durchschnittlich zwei bis drei Wochen – bei erhöhtem Bedarf flexibel ausgeweitet –, Supervision und interne Schulungen unterstützt die LebensSpuren GmbH die Fachkräfte in den familienanalogen Angeboten dabei, anspruchsvolle Situationen fachlich zu reflektieren und die Qualität ihrer Arbeit langfristig zu sichern.

Beziehungen entstehen im Alltag

Einige der wichtigsten pädagogischen Momente entstehen nicht in Gesprächen, die wir planen, sondern einfach als Teil des Lebens. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, bei dem jungen Menschen Vertrauen aufzubauen – durch gemeinsame Mahlzeiten, die Vorbereitung auf die Schule, Freizeitaktivitäten oder abendliche Gespräche. Die Fachkräfte der LebensSpuren GmbH binden junge Menschen auch gezielt in alltägliche Tätigkeiten ein, wie Einkaufen, Kochen oder die persönliche Hygiene; individuelle Interessen und Hobbys sollen ebenfalls ihren Platz haben. Dieses Prinzip entspricht dem sozialpädagogischen Konzept der Lebensweltorientierung, wonach pädagogisches Handeln an den alltäglichen Lebensbezügen und Bewältigungsaufgaben der jungen Menschen ansetzen soll, statt sich auf punktuelle Interventionen zu beschränken (Grunwald & Thiersch, 2005).

Über dieses Vorgehen erfahren die jungen Menschen, dass sie ernst genommen werden – mit ihren Schwierigkeiten, Stärken und Schwächen. Genau diese alltäglichen Erfahrungen führen im langen, wenn nicht sogar sehr langen Verlauf dazu, dass sich bei den jungen Menschen soziale Kompetenzen entwickeln und letztlich die persönliche Entwicklung gestärkt wird – und sich damit eine selbstbestimmte, selbstverantwortliche und gemeinschaftsfähige Persönlichkeit herausentwickeln kann, die die LebensSpuren GmbH als eines ihrer allgemeinen Ziele definiert. 

Zusammenarbeit mit allen Beteiligten

Eine gelingende Beziehungsarbeit endet nicht an der Haustür des familienanalogen Angebotes. Sie wird durch eine enge Zusammenarbeit mit allen am Hilfeprozess beteiligten Personen ergänzt.

Dies umfasst insbesondere:

  • zuständige Jugendämter als Leistungsträger,
  • Herkunftsfamilien soweit im Einklang mit dem Hilfeplan,
  • Vormundschaften, 
  • Schulen und Kindertagesstätten,
  • Therapeut*innen,
  • Ärzt*innen und
  • weitere unterstützende Fachkräfte im Sozialraum.

Ein transparenter Informationsaustausch und klar abgestimmte Ziele schaffen Verlässlichkeit für alle Beteiligten und erleichtern den jungen Menschen die Orientierung im Hilfeprozess. Diese kooperative Ausrichtung der Hilfeplanung ist auch rechtlich in den Vorgaben des SGB VIII festgelegt, dass die Zusammenarbeit von Einrichtung, Jugendamt und weiteren Beteiligten als verbindlichen Bestandteil der Hilfe zur Erziehung vorsieht (Münder et al., 2009). Bei der LebensSpuren GmbH ist hierfür unabhängig von der konkreten Ausgestaltung der Fachkraftzuordnung stets eine verantwortliche Ansprechperson für allen am Hilfeprozess beteiligten Personen benannt.

Beziehung schafft Entwicklungsperspektiven

Eine tragfähige Beziehung ersetzt keine therapeutische Behandlung und löst nicht alle Herausforderungen. Aber sie bildet den Rahmen für eine erfolgreiche pädagogische Unterstützung. Studien zur Resilienz haben gezeigt, dass einer der stärksten Schutzfaktoren eine verlässliche, stabile Bezugsperson für Kinder ist, die ihnen hilft, ihre Entwicklung trotz belastender Lebenserfahrungen als Kind erfolgreich zu bewältigen (Egeland, 2007, zitiert nach Scheuerer-Englisch, o. J.).

Die Forschung zeigt, dass junge Menschen, die sich akzeptiert und sicher fühlen, sich stärker selbstbestimmt entwickeln können. Die jungen Menschen lernen, Rückschläge besser zu verarbeiten, und können mehr Vertrauen in sich selbst gewinnen. Damit entstehen wichtige Voraussetzungen für schulische, soziale und persönliche Entwicklungsschritte – und für das, was die LebensSpuren GmbH als ihre Vision beschreibt: den jungen Menschen und ihren Familien dabei zu helfen, ihre eigenen Spuren im Leben zu hinterlassen – positive Erinnerungen, erfolgreiche Entwicklungen und ein starkes Fundament für die Zukunft zu entwickeln.

Fazit

Beziehungen sind in den familienanalogen Angeboten der LebensSpuren GmbH weit mehr als ein Bestandteil des pädagogischen Alltags. Sie bilden die Grundlage erfolgreicher Hilfen zur Erziehung und eröffnen den jungen Menschen die Chance, Vertrauen, Sicherheit und neue Bindungserfahrungen zu erleben. Professionell gestaltete Beziehungsarbeit verbindet fachliche Kompetenz mit menschlicher Verlässlichkeit und schafft einen Rahmen, in dem Entwicklung nachhaltig gelingen kann. Getragen wird dies von einem Leitbild, das für ein demokratisches Miteinander, Transparenz, Wertschätzung, Verlässlichkeit, Vielfalt und Passgenauigkeit steht. Für die pädagogischen Fachkräfte der LebensSpuren GmbH bedeutet dies, Beziehungen bewusst zu gestalten, kontinuierlich zu reflektieren und gemeinsam mit allen Beteiligten Verantwortung für den Hilfeprozess zu übernehmen – ganz im Sinne des Anspruchs, für den der Name LebensSpuren GmbH steht: Vertrauen, Kompetenz und Empathie.

 

Literaturverzeichnis

Andresen, S. & Grießmeier, C. (2016). Nähe und Distanz in der Erziehungsbindung. Zeitschrift für Pädagogik, 62(6).

Bowlby, J. (2008). Attachment: Historische Herkunft, theoretisches Konzept und klinische Relevanz München: Reinhardt.

Egeland, B. (2007). Hrsg.: Scheuerer-Englisch, H. Die Bedeutung einer Bindungsperspektive für die Heimerziehungshilfe[1] München: Deutsches Jugendinstitut (DJI).

Gahleitner, S. B. (2017). Wirksamer Faktor: Beziehung; die Rolle der Gestaltung der erziehungs-therapeutischen Beziehung in Kinder- und Jugenddiensten. Weinheim/Basel: Beltz Juventa.

Grunwald, K. & Thiersch, H. (2005) Orientierung an der Lebenswelt. H.-U. Otto & H. Thiersch (Hrsg.) Stichworte: Handbuch der Sozialarbeit/Sozialpädagogik (3. Aufl.) München/Basel: Reinhardt.

Kindler et al. 2004 – Kindler H, Helming E, Meysen T & Jurczyk K (1998) (2011). Handbuch der Heimerziehung. München: Deutsches Jugendinstitut (DJI).

Münder, J. et al. (Hrsg.) (2009). Frankfurter Kommentar zum SGB VIII [SGB VIII] — Kinder- und Jugendhilfe, 6. Baden-Baden: Nomos.

Nienstedt, M., & Westermann, A. (2007). Frühe Erfahrungen mit Timing und Trauma durch Pflegekinder können viele Entwicklungsmöglichkeiten prägen. Stuttgart: Klett-Cotta.

Nowacki & S. Remiorz (2022). Bindung fördern bei Kindern mit komplexen Bedürfnissen (2. Aufl.). Stuttgart: Kohlhammer.

Schleiffer, R. (2007). Das geheime Verlangen nach Nähe. Bindung, Trauma und Resilienz in Kindern: Eine Studie zur stationären Betreuung (3. Aufl.) Weinheim/München: Juventa.

 

Über das, was bleibt – Ankommen in der Jugendhilfe

Über das, was bleibt – Ankommen in der Jugendhilfe

Übergänge kennen wir in der Kinder- und Jugendhilfe gut – vielleicht besser als in jedem anderen Arbeitsfeld. Wir begleiten junge Menschen durch Brüche, durch Abschiede, durch das zögerliche Ankommen in etwas Neuem. Wir wissen, was es bedeutet, wenn Vertrautes wegfällt. Und wir wissen, dass Ankommen Zeit braucht – dass es nicht mit dem ersten Tag beginnt, sondern mit dem ersten Moment echter Sicherheit.
Was wir dabei manchmal vergessen: Auch wir selbst kennen dieses Erleben.

Was Übergänge mit uns machen
Veränderungen im beruflichen Kontext hinterlassen Spuren – auch dann, wenn sie gewollt oder notwendig sind. Wenn Strukturen sich wandeln, wenn Gewohntes wegfällt, wenn Energie lange in das Halten des Alltags geflossen ist, statt in das Gestalten: Das spüren Teams. Das spüren Fachkräfte, die den jungen Menschen Stabilität geben wollen – und dabei selbst Halt brauchen. Die Bindungsforschung lehrt uns: Wer unter anhaltendem Druck steht, kann sein Nervensystem kaum in einen Zustand echter Sicherheit bringen. Und wer selbst keinen sicheren Boden spürt, kann ihn nur schwer weitergeben – an Kinder, an Jugendliche, an die Menschen, die auf unsere Begleitung angewiesen sind. Das ist keine Kritik. Es ist eine ehrliche Beschreibung dessen, was passiert, wenn Strukturen nicht tragen – und ein Argument dafür, wie wichtig es ist, dass sie es tun.

Was Ankommen bedeutet
Ankommen ist kein Ereignis. Es ist ein Prozess. Und er beginnt oft leise – mit einem Gespräch, das wirklich gehört wird. Mit einer Antwort, die nicht ausweicht. Mit dem Erleben: Hier werde ich gesehen. Hier muss ich nicht kämpfen, um gehört zu werden. Boris Cyrulnik, der die Resilienzforschung entscheidend geprägt hat, beschreibt, wie heilsam es sein kann, nach einer Zeit der Erschütterung einen Ort zu finden, der trägt. Nicht weil alles perfekt ist. Sondern weil die Grundbotschaft stimmt: Du gehörst dazu. Was du einbringst, zählt. Wir sind gemeinsam unterwegs. Das ist keine Frage von Organigrammen oder Leitbildern. Es ist eine Frage von Haltung – und davon, ob diese Haltung im Alltag spürbar wird.

Wofür wir stehen
Bei LebensSpuren wissen wir, dass familienanaloge Betreuungsformen das Herzstück guter Jugendhilfe sind. Kleine Einheiten, große Wirkung. Menschen, die nicht einfach einen Beruf ausüben, sondern eine Lebensform wählen – und damit jungen Menschen geben, was kein Großangebot ersetzen kann: Alltag Zugehörigkeit, Kontinuität. Wir möchten, dass die Menschen, die diese Arbeit tun, selbst einen sicheren Boden spüren. Dass Fachbegleitung nicht Kontrolle bedeutet, sondern Resonanz. Dass Fragen willkommen und Fehler besprechbar sind, Erschöpfung kein Zeichen von Schwäche ist. Das ist ein Anspruch, dem wir gerecht werden wollen – und den wir gemeinsam weiterentwickeln.

Ein Sommer zum Durchatmen
Der Sommer lädt ein, zu verlangsamen. Vielleicht auch: loszulassen, was war, und neugierig zu werden auf das, was ist und was noch kommen kann. Wir freuen uns über jeden, der diesen Weg mit uns geht – und über alles, was daraus gemeinsam entstehen wird.

Quellen:
Cyrulnik, B. (2009): Wie Liebe das Leben rettet. Resilienz und Bindung. Ullstein.
Porges, S. (2023): Die Polyvagal-Theorie und die Suche nach Sicherheit. Junfermann.
Bowlby, J. (2010): Bindung als sichere Basis. Reinhardt.

Gewaltfreie Erziehung

Gewaltfrei – nicht als Methode, sondern als Haltung

Zum Tag der gewaltfreien Erziehung am 30. April

Gewaltfreie Erziehung ist seit dem Jahr 2000 in Deutschland gesetzlich verankert. § 1631 BGB ist eindeutig: Kinder haben ein Recht darauf, ohne körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und entwürdigende Maßnahmen aufzuwachsen. Das ist ein wichtiger gesellschaftlicher Konsens – und gleichzeitig nur ein erster Schritt. Denn Gewaltfreiheit, die sich auf das Unterlassen von Übergriffen beschränkt, greift zu kurz. Was Kinder brauchen, ist nicht das Fehlen von Gewalt. Was sie brauchen, ist die aktive Erfahrung von Würde.

Die Bindungs- und Resilienzforschung ist in diesem Punkt bemerkenswert klar: Kinder entwickeln sich dann gesund, wenn sie wiederholt erleben, dass Erwachsene ihnen verlässlich, respektvoll und regulierend begegnen – auch in Momenten von Stress, Konflikt oder Überforderung. Stephen Porges beschreibt mit seiner Polyvagal-Theorie, wie das Nervensystem von Kindern auf die emotionale Verfassung ihrer Bezugspersonen reagiert. Sicherheit wird nicht erklärt – sie wird gespürt. Im Tonfall. In der Körperhaltung. In der Fähigkeit, ruhig zu bleiben, wenn das Kind es selbst gerade nicht kann.

Boris Cyrulnik bringt es auf den Punkt: Ein einziger Mensch, der bleibt und glaubt, kann eine Entwicklung verändern, die eigentlich keine Chance mehr zu haben schien. Gewaltfreie Erziehung ist in diesem Sinne keine Technik. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Beziehung überhaupt heilsam wirken kann.

Was das in der Praxis bedeutet

Wir denken an einen Morgen in einer Familie: Ein Kind steht nicht auf, weint, zieht sich zurück und blockt jeden Kontakt ab. Viele Eltern kennen diesen Moment. Der erste Impuls ist oft, zu erklären, zu motivieren oder auch zu drängen. Gleichzeitig tickt die Uhr – der Schulbus wartet, der Alltag ruft.

Gewaltfreie Haltung wird hier nicht gleichgesetzt mit Nachgeben. Sie bedeutet: Ich reguliere mich selbst, bevor ich das Kind regulieren will. Ich setze mich in den Flur. Ich atme. Ich sage ruhig: „Ich bin hier. Du musst das nicht allein schaffen.“ Keine Drohung, kein Trost, der überdeckt. Nur Präsenz. Und oft – nicht immer, aber oft – entsteht daraus ein Moment von echtem Kontakt.

Was in dieser Situation trägt, ist nicht die Methode. Es ist die innere Verfassung der Fachkraft.

Haltung beginnt bei uns selbst

Wer gewaltfrei begleiten möchte, darf sich selbst kennenlernen – die eigenen Auslöser, die eigene Geschichte, die Erschöpfung, die sich manchmal als Ungeduld zeigt. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Einladung. Selbstreflexion ist in der Jugendhilfe fachliche Notwendigkeit und gleichzeitig ein Geschenk an sich selbst: Wer sich selbst wahrnimmt, kann auch das Kind wirklich wahrnehmen.

Supervision, kollegiale Beratung, ehrliche Teambesprechungen – das sind die Räume, in denen Haltung wachsen und sich halten kann.

Haltung braucht Struktur

Gewaltfreie Erziehung ist keine individuelle Leistung. Sie ist eine Kulturaufgabe – für Teams, für Träger, für Organisationen. Solidarität im Team, eine Atmosphäre des gegenseitigen Tragens, Führung, die Fehler besprechbar macht: Das sind die strukturellen Bedingungen für das, was im Einzelzimmer eines Kindes dann sichtbar wird.

Haltung entsteht im Miteinander. Und sie braucht Räume, in denen sie sich zeigen darf – ohne Bewertung, ohne Druck, mit echtem Interesse aneinander.

Was bleibt

Am Tag für gewaltfreie Erziehung lohnt es sich, all das mitzudenken – als Einladung zur Reflexion, nicht als Maßstab zur Beurteilung. Was brauchen wir, um das täglich zu leben, was wir für richtig halten? Und wo gelingt es uns bereits – oft leise, oft unbemerkt – Kindern und Jugendlichen die Erfahrung zu geben: Hier bin ich sicher. Hier werde ich gesehen. Hier muss ich nicht kämpfen.

Das ist gewaltfreie Erziehung. Nicht als Methode. Als Haltung. Als Entscheidung, die täglich neu getroffen wird – und die sich lohnt.

 

 


Quellen

Porges, S. (2023):
Die Polyvagal-Theorie und die Suche nach Sicherheit. Junfermann.

Cyrulnik, B. (2009):
Wie Liebe das Leben rettet. Resilienz und Bindung. Ullstein.

Wustmann Seiler, C. (2016):
Resilienz. Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Beltz.


 

Praktika und Fachkräfte

Fachkräfte fallen nicht vom Himmel – sie wachsen mit uns!

Warum die Arbeit mit Praktikantinnen und Praktikanten in familienanalogen Angeboten so wichtig ist.

Der Fachkräftemangel in der Kinder- und Jugendhilfe ist längst keine Prognose mehr – er ist bereits Realität! In vielen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe fällt es zunehmend schwer, qualifizierte pädagogische Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu halten.

Aus Sicht der LebensSpuren beginnt Fachkräftesicherung jedoch viel früher: nämlich in der Arbeit mit Praktikantinnen und Praktikanten, in der Zusammenarbeit mit den berufsbildenden Schulen sowie den Fachschulen und Fachhochschulen.

Familienanaloge Angebote bieten hier einen besonders wertvollen Rahmen. Studierende und Auszubildende erleben hautnah, was es bedeutet, jungen Menschen in einem lebendigen Lebensumfeld verlässlich zur Seite zu stehen. Sie sehen, wie Haltung, Beziehungsgestaltung und pädagogische Professionalität miteinander verschmelzen – Erfahrungen, die im späteren Berufsleben prägend wirken.

Bei Vorstellungsgesprächen hören wir immer wieder, dass die familienanalogen Angebote in den Ausbildungs- und Studiengängen nur wenig Beachtung finden. Zudem mangelt es in diesen Angeboten an zusätzlichem Personal, das im kleinen familiären Rahmen die Bezugspersonen unterstützt, gezielte Einzelförderungen ermöglicht, Entlastung bietet und den Stellenschlüssel sichert.

Durch die Kooperation mit der Sophie-Scholl-Schule in Mainz konnten wir in dieser Fachschule im Rahmen einer Unterrichtseinheit bereits Interesse an den familienanalogen Angeboten wecken und im Anschluss einige Schülerinnen erfolgreich während ihres Praktikums begleiten.

Diese Chance entsteht nicht von selbst. Wer Praktikantinnen und Praktikanten gut begleiten will, braucht Zeit, Reflexionsräume und die Bereitschaft, Verantwortung und Wissen zu teilen. Für den Träger und die Einrichtungen bedeutet das auch, Energie in das Bewerbungsverfahren, die Ausbildung und die individuelle Anleitung zu investieren.

Doch genau hier liegt der Schlüssel: Wer heute Auszubildende nur als „zusätzliche Arbeit“ betrachtet, übersieht, dass hier die Fachkräfte von morgen heranwachsen. Praktikantinnen und Praktikanten erinnern sich an ihre Praxiserfahrungen. Sie entscheiden oft danach, bei wem sie sich später bewerben möchten, wem sie Vertrauen schenken und wo sie sich eine Zukunft vorstellen können. Arbeitgeber, die diese Verantwortung ernstnehmen, schaffen nicht nur Lernräume, sondern bauen zugleich persönliche Bindungen auf.

Wir als LebensSpuren-Team sind davon überzeugt:
Wer heute in Beziehungen investiert, wird morgen erkannt, erinnert und gewählt!

Lesen Sie auch den Erfahrungsbericht einer Praktikantin –
Mein Praktikum bei den LebensSpuren

👉 Als Fachschule an einer Kooperation interessiert?
Senden Sie uns gerne Ihre Anfrage per E-Mail an:
info@lebensspuren-jugendhilfe.de

Für Fragen im Zusammenhang mit Praktika
stehen Ihnen Martina Müller und Lisa Dunger
telefonisch unter 0611 16778989 zur Verfügung.

Gelebte Beschwerdekultur

Gelebte Beschwerdekultur als tragende Säule von Kinderschutz 

Diesem zentralen Thema widmete sich am 12. März 2026 das 1. KOP-Treffen 2026 der LebensSpuren GmbH. Mit Herz, Tiefgang und Fachkompetenz. 

Im hybriden Format am Campus Bad Kreuznach stand die Sensibilisierung für das Konzept des Trägers zum Beschwerdemanagement im Mittelpunkt. Gleichzeitig aber auch die fortwährend notwendige Weiterentwicklung der Beschwerdekultur, welche unseren anvertrauten Kindern und Jugendlichen – unabhängig von Alter oder Entwicklung – niederschwellig, wirksam und vertrauensvoll zugutekommen soll.

Sehr schnell wurde deutlich: Ein Beschwerdemanagement funktioniert nur dann nachhaltig, wenn es von einer Haltung der Offenheit, Sensibilität und professionellen Bereitschaft zur Reflexion getragen wird. 

Darauf, dass diese Haltung bei den LebensSpuren existent ist, deuten die zahlreichen fachlichen Impulse hin, die seitens der Teilnehmer*innen eingebracht wurden. Aber auch der sehr lebendige Austausch zu Fallbeispielen aus der Praxis, welche mutig durch die Leitungen der familienanalogen Angebote in großer Runde preisgegeben wurden.

An dieser Stelle ein besonderer Dank an die Vertreter*innen der Ombudsstelle bei der Bürgerbeauftragten von Rheinland-Pfalz. Die Einbindung der Ombudsstelle in diese Veranstaltung wurde als wertvolle Ressource für gelingende Kommunikation hervorgehoben, denn sowohl fachlicher Diskurs als auch Vernetzung für eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Kinderschutzes sind in der Kinder- und Jugendhilfe unabdingbar. 

Der wertvolle Einblick in das Zusammenspiel von Ombudsschaft, Mediation und präventivem Kinderschutz, wird zukünftig hoffentlich dazu beitragen, dass das kostenfreie Beratungsangebot am besten schon „bevor die Hütte brennt“ in Anspruch genommen wird. Im Dialog mit den externen Fachvertretungen wurde sehr deutlich, wie gewinnbringend die präventive Arbeit sein kann, an der Seite unserer jungen Menschen und deren Herkunftsfamilien; an der Seite unserer Kooperationspartner*innen in den familienanalogen Angeboten aber auch an der Seite des Trägers. Konflikte und unterschiedliche Blickwinkel entstehen, wo Menschen aufeinandertreffen. Im Sinne einer Vorbildwirkung für unsere Kinder und Jugendlichen dürfen wir aber gegensteuern um zu verhindern, dass Gespräche eskalieren. 

Das Team der LebensSpuren GmbH bedankt sich für die engagierte Teilnahme und die vielfältigen Perspektiven, die mal wieder zu einem intensiven und praxisnahen Austausch beigetragen haben. 

Kinderschutz lebt von Haltung – und von Menschen, die sie mutig gestalten. Ein funktionierendes Beschwerdemanagement ist weit mehr als ein organisatorisches Tool – es ist aktiver gelebter Kinderschutz.


1. KOP-Treffen 2026 – LebensSpuren GmbH12. März 2026

Haltung

In unseren Blickwinkeln zeigen wir, wie Haltung, Recht und Praxis Spuren im Leben setzen – für Kinder, Jugendliche, Familien und Teams.

Zusammenhalt

Die pädagogische Haltung:
„Wenn Unternehmenswerte Wirklichkeit werden – oder eben nicht!“

In einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen und Unsicherheiten wachsen, aber auch der öffentliche Diskurs immer häufiger von Gegensätzen geprägt ist, gilt es als Träger der Kinder- und Jugendhilfe seiner Verantwortung nachzukommen, in dem Haltung spürbar wird – bewusst, reflektiert und mit innerer Verbindlichkeit.

Eine Haltung, die wirklich Verantwortung übernimmt, ist geprägt von

  • Mut zur Authentizität,
  • Bereitschaft zur Selbstkritik und einem
  • unerschütterlichen Fokus auf das Wohl der Menschen, denen man sich auch konzeptionell verschrieben hat.

Haltung zeigt sich dabei nicht im Klimpern mit Worthülsen und Hochglanzbroschüren, sondern im gelebten Handeln der Menschen. Da wird auch schnell sichtbar, ob sich eine „Haltung“ im Leitbild nur schön liest, oder ob sie tatsächlich gelebt wird und zur Grundlage aller Entscheidungen wird. 

Hier bei den LebensSpuren stellen wir uns im Kontext des Beschwerdemanagements auch diesen Themen. Wir begeben uns auf Spurensuche und erforschen neugierig durch Fragen, ob es Hinweise darauf gibt, dass Haltung nur eine Floskel in der täglichen Arbeit ist.

  • Gibt es einen Widerspruch zwischen Worten und Taten?

Wird öffentlich zwar über „Wertschätzung“ und „Teilhabe“ gesprochen, aber in der Zusammenarbeit müssen Mitarbeitende in ihrem Alltag Misstrauen, fehlende Mitsprache und herablassende Äußerungen, auch übermäßige Kontrolle und Mikromanagement erleben und aushalten? 

  • Werden Begriffe werbeträchtig instrumentalisiert?

Werden Schlagworte wie Partizipation, Diversität oder Achtsamkeit nur inflationär genutzt – oder spielen sie in Teamsitzungen und Entscheidungen wirklich eine Rolle? 

  • Fehlt die Bereitschaft für Selbstreflexion bei Führungskräften?

Werden Fehler oder Kritik als Chance gesehen, oder wird defensiv darauf reagiert und Verantwortung „nach unten“ (wobei schon die Beschreibung „nach unten“ die entsprechende Haltung deutlich macht) abgeschoben. 

  • Wie aufrichtig ist die Kommunikation?

Gibt man sich nach außen sozial engagiert und dialogbereit, obwohl intern eine Kultur des Schweigens herrscht aus Angst vor Konsequenzen, wenn Probleme oder Irritationen offen angesprochen werden? 

  • Nimmt man eher Symbolpolitik statt gelebter Praxis wahr? 

Werden Hilfen, Projekte oder Statements hauptsächlich für Imagepflege genutzt und nicht, weil man wirklich etwas verändern will und ein echtes Interesse an den Menschen hat? 

  • Inkonsistenz in Entscheidungen

Folgen Entscheidungen kurzfristigen Interessen bzw. externen Erwartungen statt den klaren ethischen oder pädagogischen Grundsätzen? 

Man könnte an dieser Stelle die Liste unendlich weiterführen. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber Fakt ist, dass man sich mit solchen Umgangsformen selbst „entlarvt“. Denn früher oder später merken es alle Beteiligten.  
Wo Authentizität, Konsistenz und menschliche Echtheit fehlen, bleibt Haltung nur ein Slogan – und zeigt sich ganz offensichtlich im täglichen Umgang mit Menschen; besonders dann, wenn es schwierig und unbequem wird. 

Für die LebensSpuren GmbH will Haltung keine pädagogische Methode sein, die man routiniert anwendet und auch kein Werkzeug, das man einfach aus dem Regal zieht. Sie soll vielmehr zum inneren Maßstab werden, der zeigt, wofür wir bei den LebensSpuren brennen und wie wir in einer Welt voller Widersprüche verantwortungsvoll handeln wollen. 
Haltung muss dabei der sogenannte rote Faden sein, der sich durch alle unsere Schritte und Entscheidungen zieht. Ein Kompass voller Werte, der uns nicht nur leitet, wenn alles glatt läuft, sondern gerade dann, wenn Umbrüche oder Krisen uns im Alltag herausfordern und jener Kompass uns dabei hilft, authentisch zu bleiben. 
Ohne diese Wurzel in einem reflektierten Selbstbild, verkommen Techniken zu hohlen Hülsen; Aber mit dieser Wurzel wird Pädagogik zu einem lebendigen Beitrag für eine nachhaltige und gerechte Zukunft. 

Echte Haltung – eine Haltung, die weit über bloße Floskeln hinausgeht – zeigt sich in der gelebten Kongruenz zwischen Worten, Entscheidungen und Alltag: 

  • Kongruenz wird im Handeln sichtbar

Entscheidungen folgen immer denselben Werten, auch wenn sie kurzfristig unbequem oder wirtschaftlich nachteilig sind – etwa bei der Priorisierung von Teilhabe vor Kosteneinsparung.

  • Führungskräfte modellieren Haltung vor

Sie hören aktiv zu, geben Feedback ohne Abwehr und tragen Verantwortung, statt Schuld zuzuweisen.

  • Authentische Beziehungen

Mitarbeitende, junge Menschen und Familien erleben echte Wertschätzung in regelmäßigen Reflexionsgesprächen, durch Mitsprache und eine Kultur, in der Fehler als Lernchancen gelten. Konflikte werden nicht vermieden, sondern als Möglichkeit genutzt, echte Haltung zu üben. Und zwar durch offene Dialoge statt hierarchischer Durchsetzung.

  • Nachhaltige Strukturen werden geschaffen

Ressourcen wie Zeit, Geld und Personal fließen dorthin, wo sie den Kernwerten dienen: Kinderschutz, kontinuierliche Weiterbildung, Stabilisierung bestehender Angebote vs. einer Kultur von „höher, schneller, weiter“. Erst dann erfolgt der weitere Ausbau neuer Hilfen und Projekte. 

  • Transparenz ist selbstverständlich

Berichte, Finanzen und Erfolge und Misserfolge werden offen kommuniziert, ohne Schönfärberei.

  • Resilienz in Krisen

In schwierigen Zeiten – wie Budgetkürzungen oder gesellschaftlichen Spannungen – bleibt die Haltung stabil. Man sucht Lösungen.

  • Externe Wirkung entspricht der internen Praxis 

Social-Media-Posts oder Events spiegeln den realen Alltag wider. Inspirieren statt posieren. 

Fazit: Haltung zeigt sich daran, was jemand tut und nicht daran, was er auf Plakate schreibt! 

Klausurtagung

Klausurtagung des Leitungsteams der LebensSpuren GmbH

„Wenn wir über Leadership in der Kinder- und Jugendhilfe sprechen, dann geht es längst nicht mehr nur um Management. Es geht um Beziehung. Um Sprache. Um den Mut, sich selbst und anderen mit Klarheit zu begegnen.

Genau darum drehte sich unsere Leitungsklausur mit dem Kommunikationscoach Thomas Beyer. Ein Tag, der uns als LebensSpuren-Team nachhaltig bewegt und gestärkt hat. Weil wir Menschen wie ihn schätzen, die mit leidenschaftlicher Präsenz zuhören und ihr Gegenüber emotional tief wahrnehmen.“ 
Team LebensSpuren GmbH


So hat unser Coach den Tag mit unserem Team erlebt:


Wie hinterlassen eigentlich Profis „LebensSpuren“? 

Manchmal beginnt es mit einer einfachen Frage – und endet mit einem Perspektivwechsel. Genau das ist am 23. Januar 2026 bei der LebensSpuren GmbH in Wiesbaden passiert:
In meinem Workshop für Kommunikation und Führung haben wir gemeinsam Denkmuster hinterfragt, Klarheit gewonnen und praxistaugliche Antworten gefunden.

Aktuell bin ich mit meinem Workshop-Format „Beratung für Berater:innen“ in Deutschland unterwegs. Es richtet sich an Profis, die Menschen – oft unter Druck – begleiten und führen. Dabei biete ich Reflexion und Impulse für mehr Klarheit und Handlungsspielräume – genau dort, wo der Job-Alltag besonders anspruchsvoll ist.

Manchmal spürt man schon nach den ersten Minuten: Hier arbeiten Menschen mit Werten, Herzblut und Sachverstand. Genau so habe ich das siebenköpfige Team der LebensSpuren GmbH erlebt. Und im Laufe des Workshops kamen weitere Qualitäten hinzu: offen, kompetent, humorvoll, kreativ – und bereit, auf die reichlich vorhandenen Stärken bewusst aufzubauen und neue Wege zu betreten.

Eine Reise in sechs Etappen

Mein Workshop ist als Reise in sechs Impuls-Etappen angelegt, mit klaren Zielen:

Mehr Handlungsfreiheit im anspruchsvollen Alltag, mehr Klarheit im eigenen Handeln sowie ein Teamverständnis, das die Identität nach innen stärkt und nach außen sichtbar macht.

Unsere Spielfelder auf drei Ebenen

  • Mensch & Profession: Wie bleibe ich in schwierigen Situationen präsent und professionell?
  • Brücken & Grenzen: Wie verbinden wir uns trotz unterschiedlichen Strategien – und wie schützen wir uns und andere?
  • Team & Identität: Wofür stehen wir – und woran erkennen andere unsere Identität?

Was mich besonders beeindruckt hat:

Es waren die zahlreichen bereichernden Fragen, die wertvollen Impulse und mehrere überraschende Erkenntnisse, die sich im gemeinsamen Prozess offenbarten. Ein echtes Highlight: die nahezu „agenturreife“ Arbeit am eigenen Team-Image: klar, stimmig, authentisch – und zugleich unglaublich menschlich.
Ebenso wertvoll habe ich den Umgang mit den im Leitbild formulierten Werten erlebt. Demokratisches Miteinander, Feedbackkultur, Transparenz, Wertschätzung, Verlässlichkeit, Vielfalt, Passgenauigkeit. All dies sind eindeutig keine leeren Versprechen – das Team füllt sie mit Leben! Echt und unaufgeregt. Dafür meine absolute Hochachtung!

Ein herzliches Dankeschön an jede und jeden Einzelnen für euren großartigen Outcome – und für die menschliche Wärme, die ich an diesem Tag erleben durfte. Life und in Farbe 😉

THOMAS BEYER | Certified Expert in Professional Communication 
Coach für Kommunikation + Persönlichkeitsentwicklung
Web: t-beyer.com oder beyer.live
Mail: mail@t-beyer.com | Telefon: 0171-9541309


PS: Warum mein Workshop-Format „Beratung für Berater:innen“ heißt und warum ich trotzdem bewusst nicht „berate“. 

Das Format heißt so, weil es plakativ ausdrückt, dass auch Berater:innen Support brauchen. Ich arbeite mit Profis, die andere begleiten, führen und eben beraten – oft unter Druck. Und genau deshalb ist mein Ansatz kein „mehr Wissen“, sondern „mehr Klarheit“. Ich biete Reflexion + Expertenimpulse mit Wirkung!


Ein synergetisches Qualitätsmerkmal: Die kollegiale Fallberatung der LebensSpuren GmbH

Ein synergetisches Qualitätsmerkmal:
Die kollegiale Fallberatung der LebensSpuren GmbH

Die digitale Auftaktveranstaltung im Januar 2025 war die Antwort auf den geäußerten Wunsch unserer professionellen Fachpflegestellen beim KOP-Treffen im Dezember 2024. Zukünftig ist die kollegiale Fallberatung ein fest implementiertes monatliches Angebot für unsere Fachkräfte in den stationären Hilfen zur Erziehung.

Das Fachteam flankiert dabei sowohl die ortsunabhängigen, angebotsüber-greifenden Beratungsprozesse mit fachlicher Expertise und behält außerdem den Datenschutz im Blick. Eine Verantwortung, der wir als Jugendhilfeträger – in Kooperation mit der IJOS GmbH, die u.a. unseren Datenschutzbeauftragten stellt – auch in diesem Angebot gerecht werden.

Der gemeinsame Dialog, unter all den Fachkräften, darf sich fortan auf Augenhöhe und in geschützten „Online-Räumen“ entfalten. Im Rahmen der Falleingaben lassen sich die wertvollen fachlichen Synergien bestens nutzen und damit hilfreiche Spuren in den Hilfeprozessen der jungen Betreuten legen. Aus dem gemeinsamen Erfahrungsschatz dürfen wir koordiniert und wirkungsvoll voneinander und miteinander lernen, einander ermutigen und dadurch persönliches Wachstum bewirken.

(R)Auszeit ♥

Neue Veranstaltungsreihe in 2026:
„LebensSpuren-(R)Auszeit“ ♥
Warum Entlastungszeiten kein Luxus sind, sondern Basis für Qualität, Stabilität und Kinderschutz!


Mit der neuen Veranstaltungsreihe “LebensSpuren-(R)Auszeit” laden wir unsere Kooperationspartner*innen und Mitarbeiter*innen ein, gemeinsam aktiv zu werden und sich ganz bewusst Entlastungszeiten zu gönnen. Ob naturbezogen, sportlich, künstlerisch, kommunikativ oder sinngebend – wir haben viele Ideen. Im Fokus stehen Vernetzung, Bewegung und Austausch in entspannter Atmosphäre. 

Körperliche & psychische Gesundheit sowie ein starker Teamzusammenhalt sind in der sozialen Arbeit ein hohes Gut. Dies gilt es als Arbeitgeber zu schützen. Arbeiten in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe bedeutet, Verantwortung zu tragen. Die Arbeit ist erfüllend – aber auch anspruchsvoll und herausfordernd. Jeder Tag erfordert volle Aufmerksamkeit, emotionale Präsenz, Flexibilität und Kraft. Genau deshalb sind Entlastungszeiten kein „Zusatzangebot“, sondern eine notwendige Investition in Qualität, Stabilität und Verantwortung. 

Wenn Raum für Erholung, Reflexion und persönliche Balance geschaffen wird, gewinnen nicht nur die Adressaten der (R)Auszeit selbst. Es profitieren vor allem die jungen Menschen, die bei den LebensSpuren untergebracht sind, die in den Angeboten Halt, Vertrauen und Sicherheit finden sollen.
Neben der fachlichen Expertise leisten wir damit einen Beitrag für persönliche Resilienz. Wir sind davon überzeugt, dass sich mit der Investition in Teamgesundheit, Entlastungszeiten und stabile personelle Strukturen, die Haltefähigkeit der Betreuungssysteme in der Kinder- und Jugendhilfe maßgeblich erhöht und schädliche Beziehungsabbrüche reduziert werden können.
Es steht für uns auch außer Frage, dass Menschen nachhaltig zufriedener sind und Teams stabil wachsen, wenn Kooperationspartner*innen und Mitarbeiter*innen gesehen, unterstützt und wertgeschätzt werden. Deshalb investieren wir bewusst in Maßnahmen, die Entlastung schaffen, in (R)Auszeiten. Nur wer innerlich getragen ist, kann andere tragen. Nur wer sich sicher fühlt, kann Sicherheit geben.

Fachliche Qualitätssicherung heißt bei den LebensSpuren auch gezielt in körperliche und geistige Gesundheit der Mitarbeiter*innen und Kooperationspartner*innen zu investieren. Diese Investitionen stärken die Haltefähigkeit unserer Systeme: Kinder erleben Kontinuität statt Wechsel, verlässliche Beziehungen statt Brüche. Das generiert messbaren Gewinn für den Kinderschutz!
Weniger Fluktuation bedeutet mehr Verlässlichkeit. Mehr Verlässlichkeit bedeutet mehr Schutz. Darum ist jede Stunde Entlastung, die wir ermöglichen, letztlich eine Stunde mehr Sicherheit für die Kinder, die uns anvertraut sind. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und herausfordernder Hilfen zur Erziehung, die immer komplexer werden, unverzichtbar.

Wir freuen uns auf inspirierende gemeinsame Momente!

Rauszeit, neue Veranstaltungsreihe der LebensSpuren 2026

Erste-Hilfe-Schulung mit Praxisbezug zur Jugendhilfe

Erste-Hilfe-Schulung mit Praxisbezug zur Jugendhilfe
Für mehr Sicherheit, für mehr Kinderschutz!

Die Veranstaltung der LebensSpuren GmbH findet zwei Mal jährlich statt, um auch unsere neu hinzukommenden professionellen Pflegefamilien und Mitarbeiter*innen stets zu berücksichtigen. Eine regelmäßige Auffrischung führt zu mehr Handlungssicherheit.

So auch wieder am 26. und 27. November 2025 jeweils von 9:00 bis 11:00 Uhr, während ein Großteil der Betreuten in Schule oder Kindergarten war. Also Zeit für die pädagogischen Fachkräfte, das eigene Fachwissen gezielt auszubauen. Das Online-Format hat sich inzwischen bewährt.

Die Referentin
Moderation und Durchführung liegen in den erfahrenen Händen von Frau Lucia Schwall. Sie hat federführend an der inhaltlichen Entwicklung der Schulung mitgearbeitet und bringt, neben ihrer wertvollen sozialpädagogischen Expertise und Praxiserfahrung aus der Kinder- und Jugendhilfe, auch ihr medizinisches Know-how als aktive Notfallsanitäterin im Rettungsdienst mit ein. Wir freuen uns über diese besondere Ressource in unserem leitenden Fachteam.

Zum Inhalt der Schulung
An zwei aufeinanderfolgenden Tagen widmen wir uns verschiedenen Schwerpunkten, darunter

  • Notrufnummern in der Jugendhilfe
  • Vitale Bedrohungen Bewusstsein/Atmung/Kreislauf
  • Spezielle Notfallbilder und Erkrankungen
  • Eigene Fallbeispiele/Erlebnisse/Austausch

Die beiden Module berücksichtigen neben den klassischen Erste-Hilfe-Maßnahmen auch die typischen Situationen und spezifischen Herausforderungen, denen wir im Arbeitskontext der Jugendhilfe begegnen. Ob Stromunfall, Verbrennung oder eine heftige allergische Reaktion – wir sprechen genau über die Situationen, die uns im Alltag echt herausfordern können. Praxisnah und relevant, insbesondere in unseren familienanalogen Angeboten. Es bleibt zudem genügend Raum, um individuelle Fragestellungen einzubringen und miteinander in den praxisorientierten Austausch zu gehen. Eine personifizierte Teilnahmebestätigung rundet dieses Qualitätsmerkmal der LebensSpuren ab.

Teilnehmer*innen
Eingeladen wurden bisher unsere Mitarbeiter*innen, Leitungen der Familienanalogen Angebote, aber auch die Zusatzkräfte und Interessierte im Familienverbund.

Neu: Kooperation zwischen den Trägern der Kinder- und Jugendhilfe
Kooperationen zwischen Jugendhilfeträgern sind aus unserer Sicht längst überfällig und bislang noch viel zu wenig etabliert – zu stark wirkt vielerorts noch der Konkurrenzgedanke. Hier braucht es ein Umdenken, das wir als LebensSpuren ausdrücklich befürworten.
Als besonderen Schritt haben wir deshalb die Einladung zur Teilnahme nun auch an einen ersten weiteren Jugendhilfeträger, die Familienanker GmbH in Dresden, ausgesprochen.
Dieses Vorgehen war bewusst als ein erstes Herantasten gedacht, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit im Sinne eines fachlichen Austauschs zu erproben. Es hat uns sehr gefreut, dass unser Angebot angenommen wurde und wir Mitarbeiter*innen des Trägers in der Schulung begrüßen konnten.
Unser Ziel ist es, dass Träger sich vernetzen und langfristig ihre Expertise miteinander teilen. Denn durch geteiltes Wissen kann aus Sicht der LebensSpuren GmbH langfristig auch ein Beitrag zur Kostenstabilität in der Kinder- und Jugendhilfe geleistet werden, um weiterhin bedarfsgerechte Hilfen für unsere jungen Menschen zu ermöglichen.

Bei Interesse an einer zukünftigen persönlichen Teilnahme schreiben Sie uns für den Erhalt weiterer Informationen gerne an: info@lebensspuren.de

 

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