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	<title>Beruf &#8211; LebensSpuren</title>
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	<description>Die individuelle Kinder-, Jugend- und Familienhilfe</description>
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		<title>Lenas Bericht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 16:30:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Berufung]]></category>
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					<description><![CDATA[Warum Kinder- und Jugendhilfe? Alles begann mit der Trennung meiner Eltern. Irgendwann wurden mein Bruder und ich vom Jugendamt aus unserer Familie genommen und kamen zu einer Pflegefamilie. Ich war damals noch sehr klein und trotzdem musste ich plötzlich Dinge übernehmen, die eigentlich kein Kind übernehmen sollte. Mein Bruder war noch ein Baby. Ich konnte [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading"><strong>W<b>arum Kinder- und Jugendhilfe?</b></strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Alles begann mit der Trennung meiner Eltern.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Irgendwann wurden mein Bruder und ich vom Jugendamt aus unserer Familie genommen und kamen zu einer Pflegefamilie.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Ich war damals noch sehr klein und trotzdem musste ich plötzlich Dinge übernehmen, die eigentlich kein Kind übernehmen sollte. Mein Bruder war noch ein Baby. Ich konnte ihn kaum sehen und trotzdem hatte ich ständig Angst um ihn. Ich hatte das Gefühl, für ihn verantwortlich zu sein.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Aber eigentlich hätte jemand für </span><b>mich</b><span style="font-weight: 400;"> verantwortlich sein müssen.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">In der Pflegefamilie erinnere ich mich an unglaublich viele Kleinigkeiten. Ich erinnere mich an mein Zimmer. An meine Kuscheltiere. Daran, wie sie gerochen haben. An meine Schuhe. An jeden einzelnen Tag und sogar an Dinge, die für andere wahrscheinlich völlig unwichtig wären.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Für mich sind sie geblieben.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Manchmal kommen diese Erinnerungen heute plötzlich wieder. Und für einen kurzen Moment bin ich wieder dieses kleine Mädchen, das nicht versteht, warum es dort ist.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Ich war oft allein. Ich hatte Angst, mein Zimmer zu verlassen, weil ich sonst angeschrien werde. Es gab Situationen, in denen ich sogar geschlagen wurde. Ich wurde teilweise wie ein viel jüngeres Kind behandelt.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Und gleichzeitig wurde mir immer wieder gesagt:</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">„Deine Mama kommt bald.“</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">„Deine Mama müsste eigentlich demnächst kommen.“</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">„Sie läuft durch die Tür und holt euch ab.“</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Also wartete ich.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Und wartete.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Und wartete.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Ich wartete einen Tag. Dann eine Woche. Einen Monat.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Aber meine Mama kam nicht.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Und irgendwann begann ich, mir selbst die Schuld zu geben.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Vielleicht hatte sie mich vergessen.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Vielleicht wollte sie mich gar nicht mehr.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Vielleicht war ich nicht gut genug.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Nicht perfekt genug.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Vielleicht war ich einfach kein gutes Kind für sie.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Ich war vier Jahre alt.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Vier.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Und ich machte mir Gedanken über Dinge, über die sich kein Kind Gedanken machen sollte.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">In dieser Zeit hatte ich manchmal nur meine Kuscheltiere. Sie waren da. Sie sind nicht gegangen. Sie haben mich nicht angeschrien. Sie haben mir zugehört.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Deshalb kann ich bis heute kein Kuscheltier wegwerfen.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Später kam ich wieder zu meiner Mutter. Aber sie fühlte sich für mich wie eine fremde Person an. Ich hatte das Gefühl, dass sie mich verlassen hatte. Mein Vertrauen war weg.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Und heute?</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Heute sind meine Mutter und ich unglaublich eng.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Wir sind wie Rory und Lorelai aus </span><i><span style="font-weight: 400;">Gilmore Girls</span></i><span style="font-weight: 400;">. Wir können uns alles erzählen. Wir hören einander zu und respektieren uns.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Wenn ich heute darüber nachdenke, frage ich mich vor allem eines:</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><b>Wie kann es sein, dass niemand merkt, was in mir passiert?</b></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Und genau deshalb ist das Jugendamt für mich mehr als nur eine Behörde.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Es sollte dort nicht einfach um Akten, Termine und Entscheidungen gehen.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Es sollte um die Kinder gehen.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Um Kinder, die vielleicht nicht wissen, wie sie sagen sollen, dass sie Angst haben.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Um Kinder, die vielleicht nachts wach liegen und sich fragen, ob ihre Mutter sie noch liebt.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Um Kinder, die vielleicht glauben, sie selbst seien schuld.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Deshalb wünsche ich mir, dass bei jeder Entscheidung nicht nur gefragt wird:</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><b>„Was steht in der Akte?“</b></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Sondern:</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><b>„Was erlebt dieses Kind, was möchte es?“</b></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Nicht nur seine Akte.</span><span style="font-weight: 400;"><br></span><span style="font-weight: 400;">Nicht nur seine Situation.</span><span style="font-weight: 400;"><br></span><b>Sondern das Kind selbst.</b></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Ich möchte später im sozialen Bereich arbeiten, vielleicht sogar bei der Jugendhilfe. Nicht, weil ich glaube, dass beim Jugendamt alles schlecht läuft. Sondern weil ich selbst erlebt habe, wie wichtig es ist, dass ein Kind wirklich gesehen wird.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Ich möchte einmal für ein Kind da sein, das vielleicht genauso denkt wie ich damals:</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><b>„Warum kommt niemand?“</b></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-weight: 400;">Und ich möchte, dass dieses Kind irgendwann sagen kann:</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><b>„Da war jemand, der geblieben ist.“</b></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="642" height="680" src="https://lebensspuren-jugendhilfe.de/wp-content/uploads/2026/10/Lenas-Kuscheltiere.jpg" alt="" class="wp-image-1459" srcset="https://lebensspuren-jugendhilfe.de/wp-content/uploads/2026/10/Lenas-Kuscheltiere.jpg 642w, https://lebensspuren-jugendhilfe.de/wp-content/uploads/2026/10/Lenas-Kuscheltiere-283x300.jpg 283w" sizes="(max-width: 642px) 100vw, 642px" /></figure>
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